Google Street View kommt nach Deutschland. Bis zum Ende des Jahres soll der Dienst für 20 deutsche Städte zur Verfügung stehen.
Das ruft natürlich heftige Diskussionen hervor, die von den meisten Beteiligten schlicht unsachlich geführt wird.
Auf der einen Seite sind da diejenigen, die sich selbstverständlich jede Information aus dem Netz besorgen und für die es ein Unding ist, wenn bestimmte Sachen dort nicht zu finden sind. Sie amüsieren sich über wenig technikaffine und vor allem ältere Menschen, die nicht mit dem Internet groß geworden sind. Ich kann verstehen, dass die Vorstellung, man könne jede Straße in Deutschland virtuell begehen, für diese Menschen befremdlich wirkt.
In diese Kerbe haut dann die Politik mit ihrer polemischen und vorallem heuchlerischen Diskussion. Unter dem Deckmantel des Datenschutzes für Widerstand gegen Street View geworben, und zwar von Menschen, die sich andererseits für Vorratsdatenspeicherung oder die Überwachung von öffentlichen Plätzen einsetzen, die Krankenakten auf Webservern speichern wollen und für ELENA verantwortlich sind.
Im Prinzip finde ich die Diskussion richtig und auch wichtig. Man darf und soll Neues jederzeit kritisch hinterfragen. Eine Versachlichung der Argumente wäre der Debatte aber zuträglich. Denn Google photographiert nichts, was nicht ohnehin für jedermann sichbar ist. Täglich werden Millionen geocodierter Bilder aus dem öffentlichen Raum auf Flickr oder Panoramio veröffentlicht, ohne dass sich groß Widerstand regt.
Auch ist Google nicht das erste Unternehmen, das flächendeckend Straßen photographiert oder die Verbreitung von W-Lan-Netzen aufzeichnet und diese Informationen dann im Netz veröffentlicht. Eine Blick auf Sightwalk oder die Verbreitungskarte von Skyhook Wireless lohnt sich.
Ein bisschen mehr Zurückhaltung in der Diskussion würde helfen. Diejenigen, die bescheid wissen, sollten die Anderen aufklären. Das würde am ehesten zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen.
Google Street View wird so oder so kommen. Wer sich in seiner Privatsphäre verletzt sieht kann sich entsprechend wehren und sein Grundstück unkenntlich machen lassen. Alle anderen dürfen gern mal vorbei kommen und nachschauen, ob ich auf dem Balkon sitze.